ZUR ORDNUNG DES KULTURFORUMS

Das Kulturforum ist der Ort, an dem die beiden minimalistischen Strategien aufeinander treffen. Fritz Neumeyer hat darauf in seinem Erläuterungstext zum Planwerk Innenstadt/Teilgebiet Kulturforum hingewiesen. Es ist damit auch der Ort, an dem exemplarisch die zwei vorher formulierten Fragen zur amerikanischen und europäischen minimal art zusammen gestellt werden müssen:  

1.Wie können selbstbezügliche Objekte mit ihrer Umwelt kommunizieren?  
2.Wie kann der ständige Prozess der  Konstellationen-Um-Bildung sinnlich wahrnehmbar gemacht und architektonisch formuliert werden?

Die zwei Veranstaltungszelte und die Baucontainer bilden das Material, mit dem eine mögliche Antwort gefunden werden kann.

Freigeräumt und in Szene gesetzt besitzen die drei Objekte Qualitäten im Sinne der amerikanischen minimal art. In ihrer Beziehungslosigkeit zu der Fläche auf der sie stehen und zu den umliegenden Gebäuden sind sie ganz auf sich selbst zurückgeworfen und bilden Selbstbezüglichkeiten aus: Das Container-Haus besteht aus einer Stapelung gleicher Container und das eine Zelt ist das Abbild des anderen und vice versa.  

Andererseits werden in ihnen auch wesentliche Qualitäten eines minimalistischen Objektes im Sinne der europäischen Spielart deutlich: In ihrer minimalistischen Erscheinungsform bringen sie zwei archaische architektonische Raum-Formen zur Sprache: den Kastenraum und das Zelt. Da aber nun auf dem Kulturforum die Architektur der Neuen Nationalgalerie und der Philharmonie/Kammermusiksaal (und nun auch des neuen Sony-Zeltdaches) genau diese Raumbilder bemüht haben, treten nun alle Gebäude in einen komplexen Bedeutungs- und Verweisungszusammenhang ein.

Was diesen Objekten jedoch fehlt, ist eine raumbildende Konstellation herzustellen. Als potentielle raumbildende Objekte ist ihre Beziehungslosigkeit, ihre Nicht-Relationalität für die Stadt zu wenig.