WETTBEWERB PHYSIKINSTITUT ADLERSHOF/BERLIN

Alle diese Formenentwicklungen machen natürlich nur dann Sinn, wenn sie auch wahrgenommen werden können, denn der Beobachter will sehen, was der Architekt beobachtet hat, als er so und nicht anders entschieden hatte, und umgekehrt will der Architekt die Beobachtung des Betrachters lenken, er will sie nicht dem völligen Belieben überlassen, sondern er will auf die besondere Form seines Kunstwerkes hinlenken und durch diese Form steuern. Oder auf das Einleitungszitat zurückkommend: "Man könnte vielleicht sagen: misslungen ist ein Kunstwerk, wenn ein Beobachter die Kontrolle über das Zusammenspiel der Formen verliert; wenn er also nicht mehr erkennen kann, wie eine Formwahl über das, was sie im Kunstwerk weiterhin fordert, mit den anderen zusammenhängt". Deshalb wird diese Form in drei jeweils zweigeschossige horizontale Schichten zerteilt, wobei die mittlere Schicht ein Doppel-Luftgeschoss bildet und einer der zwei amöbenförmigen Höfe die Begrenzung des Stadtblockes durchbricht . So entsteht ein öffentlicher, extrovertierter Hof mit Eingangs- und Aufenthaltsfunktion, der den größten Teil der Baumgruppen einbezieht und ein privater, introvertierter, nicht zu betretender Wasserhof als Ruheraum und Zisterne. Die Innenhöfe schneiden aus der Masse der beiden Gebäudeschichten derart Formen hinaus, daß die Restfläche mit einer einfachen Raumstruktur, die aus aneinandergereihten Räumen mit einer Mittelgangerschließung besteht, überzogen werden kann. (Da die moderne Physik heute v.a. im Mikro- oder Makrobereich forscht, d.h. an Phänomenen, die sich der einfachen sinnlichen Wahrnehmung des Menschen entziehen, ist eine Ablesbarkeit des Forschungsprogramms in der Architektur, wie man es noch im aerodynamischen Park sehen kann, hinfällig.) Wie man sieht, ist an diesem Punkt des Entwurfsprozesses die Genese der Form schon soweit gefestigt, daß sich die Berücksichtigung funktionaler Innenraumprogramme auf die Form nur noch modifizierend auswirken.

Radikalisiert man diesen Gedanken, so kann man jede durch Ornamentales Entwerfen gefundene Form als eine Lösung betrachten, deren Problem man noch gar nicht kennt. Diese Form würde dann eine neue Suchbewegung auslösen: die Suche nach dem Problem, das eine Lösung durch diese Form erhalten könnte.

ÜBERSICHT: Physikinstitut Berlin/Adlershof  Arbeitsthesen  Das Haus und die Stadt: Die Post-Architektonische Stadt - Robert Venturi

4.+5. OG - Forschung
2.+3. OG - Luftgeschoss
EG+1.OG - Lehre
Öffentlicher und privater Hof