DIE ENTWURFSSTRATEGIE "Kein Mittel eignet sich für diese Aufgabe der Kritik besser als die Ironie. Benjamin hat deren Prinzip treffend und angemessen paradox auf den Begriff gebracht: Ironie heiße, im Nicht-Wissen besser zu wissen. (...) Die ironische Beobachtung, so würde ich vermuten, ist die Beobachtung, die einem Beobachter die Unterscheidung, die er verwendet, so vorführt, daß der Beobachter die Unterscheidung, die er mehr oder weniger bewusst für notwendig hielt, mit einem Mal als kontingent erfährt. Denn ohne etwas zu wissen, weiß der Ironiker dieses besser: daß jeder Beobachter erstens eine Unterscheidung benutzt, um sehen zu können, was er sieht, daß er zweitens diese Unterscheidung selbst zugleich nicht beobachten kann, also nicht weiß, daß er nicht sieht, was er nicht sieht, und daß er drittens etwas anderes sehen würde, wenn er eine andere Unterscheidung benutzen würde. Der Beobachter wird durch diese Ironie überrascht, weil er bei alle seinem Wissen noch nicht weiß, daß er gar nicht anders denn mit kontingenten Unterscheidungen starten kann: Es gibt keine notwendigen Unterscheidungen. Der Ironiker, der sich im Gefolge Derridas heute Dekonstruktivist nennt, beobachtet jede Unterscheidung als kontingent. Als illusorisch gilt ihm jede Unterscheidung, die sich selbst nicht kennt. Darum opponiert er gegen herrschende Ideen und darum bleibt er hilflos gegenüber jenen, die auf der Notwendigkeit ihrer Unterscheidung beharren. Aber er weiß es tatsächlich auch nur besser, solange er nichts weiß" (Baecker 1990,S.27/28). |
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