...auf Vierkanthölzer auf, was die Assoziation von Altar und
Leichenzug geweckt haben mag, und Nieslony trieb das Rot weiter in den Raum
hinein.
Nachdem
Rolf Eisenburg sich im Zuge einer Malaktion von den Heizkörpern getrennt hatte,
legte Tony Cragg auf dem Boden drei Arrangements aus Plastikteilen aus. So von
Station zu Station. Jede aktuelle Arbeit war in Widerspruch, Umformulierung,
Weiterführung ein individueller
Kampf mit der vorherigen.
Bis
Fritz Rahmann als dreizehnter an der Reihe war. Am Boden, an der Decke, an den Wänden,
überall Farbspuren von den Vorgängern und hinter einem Verschlag verborgen die
Relikte: Heizkörper, Farbeimer, Türblätter, die leeren Flaschen der Eröffnungen,
Verpackungskartons. Alles zerrte er hervor, machte aus den Resten und dem
Verworfenen eine Arbeit, legte Flaschen zu Flaschen, Eimer zu Eimer, Kartons zu
Kartons, eine strukturierte Assemblage, in der das Ganze Verfahren noch einmal
Thema wurde: Kunst als Auseinandersetzung mit dem, was vor Ort gegenständlich
passiert war und ästhetisch spricht, Kunst als Auseinandersetzung mit dem
Kontext und als Produkt des Kontextes.
Nicht
die Realität als eine ästhetische in den Kunstraum tragen wollten sie, sondern
den realen Raum ästhetisch umformulieren. Und nicht den Gesetzen der Institute
sich unterwerfen oder diese Gesetze für einen kurzen Moment brechen, sondern - typisch siebziger Jahre
- in Selbstorganisation das eigene Gesetz der
Offenheit in die Tat umsetzen.
Angesichts
eines gigantischen Ausstellungsbetriebs und einer grenzenlosen, weltweiten Verfügbarkeit
von Kunstwerken, die längst ihrer ursprünglichen Zusammenhänge beraubt sind,
behauptete und praktizierte das Büro Berlin die Bindung künstlerischer Arbeit
an Ort und Zeit. Daran gekoppelt war jener temporärer Charakter, der jedem
Besucher schmerzhaft bewusst wird, wenn er sich vor Augen führt, dass das Werk
binnen kurzem beseitigt und das heißt in der Regel: zerstört sein wird. Dieser Unterzug von Destruktion und Vergänglichkeit
ist der Preis für
den direkten Bezug auf Ort und Zeit: statt der Dauer die vorübergehende, dann
aber von Anfang bis Ende authentische Bindung.
In
der Subversion, in der Infiltration der Fiktion in die Praxis steckt die
eigentliche Sprengkraft dessen, was das Büro Berlin temporär und exemplarisch
in die Welt gesetzt hat" (Schneede
1997,S.12ff)[Abb.14/15]
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