|
Vorgriff_3 Im wissenschaftlich-forschenden Bereich ergibt sich als ein erster Anknüpfungspunkt der Versuch einer Anwendung der Entwurfstheorie ORNAMENTALES ENTWERFEN auf Entwurfsarbeiten anderer Architekten. In der praktischen Anwendung müsste sich ORNAMENTALES ENTWERFEN als eine Analyse- und Bewertungsstrategie bewähren. Als zweiter Anknüpfungspunkt ergibt sich die grundsätzliche Frage nach dem Ornament in der Gesellschaft. Mit einigen Gedanken zu diesem Thema möchte ich den Erläuterungsbericht abschließen. |
Am Anfang meines Erläuterungsberichtes hatte ich betont, das Ornament "lediglich" als Grundform des Entwickelns von Formen aus Formen behandeln zu wollen. Damit habe ich mich abgegrenzt von den Theorien, die das Ornament als Ausdruck der Perfektion der geschaffenen Welt oder nur als Schmuck betrachtet haben. Zugleich wurde damit aber der Weg zu einer Beobachtung des Ornaments frei, welche sich auf den Prozess der Ornamentgenese fokussierte. Dabei habe ich den komplexen Zusammenhang von Gesellschaft und Ornament bewusst außer Acht gelassen, um mich frei und gezielt mit diesem Begriff auseinander zu setzen. Da ich mir aber den Begriff des Ornaments aus der Systemtheorie geborgt habe, d.h. einer Theorie der Gesellschaft, muss an dieser Stelle diese strategische Auslassung wieder in die Arbeit hineingeholt werden.
|
Dabei stellt Worringer heraus, daß die Kunst nicht mit naturalistischen Gebilden beginnt, sondern mit ornamental-abstrakten: "Zum Linear-Anorganischen, jede Einfühlung Abweisenden drängen die ersten Anfänge ästhetischen Bedürfnisses" . In diesem Sinne interpretiert [24:94] Worringer das Ornament in seiner Prozesshaftigkeit: "Nicht das pflanzliche Gebilde, sondern das Bildungsgesetz desselben war es, das der Mensch in die Kunst übertrug" [24:98]. Wie weit diese Übertragung des "Bildungsgesetzes" sich von der natürlichen Form entfernt oder sich ihr wieder annähert ist dann nur die Frage des Stils. Wie die Natur in der Kunst erscheint, nach welchem Gesetz, ist keine Frage des Könnens, sondern des jeweiligen "Kunstwollens". Damit greift Worringer einen Schlüsselbegriff aus Alois Riegels Kunsttheorie auf und kann so das Ornament lesbar machen und ihm eine spezifische gesellschaftliche Integrationsfunktion zuschreiben.
|