|
Rückgriff_3: Mit dem Topos ORNAMENTALES ENTWERFEN in dem Titel meiner Diplomarbeit möchte ich den rekursiven Charakter des Entwurfsprozesses hervorheben. Als ein drittes und letztes Referenzprojekt möchte ich deshalb das Buch "Gödel, Escher, Bach - Ein Endlos Geflochtenes Band" von Douglas R. Hofstadter anführen.
|
Cornelis Escher (1898-1972) zeitlebens Paradoxien, also diese strange loops, visualisiert, zeichnerisch umgesetzt hat, finden sich in den Kompositionsstrukturen Johann Sebastian Bachs (1685-1750) diese "seltsamen Schleifen" in raffinierten Modulationen wieder. Der Aufbau des Buches ist ungewöhnlich: ein Kontrapunkt zwischen Dialogen und Kapiteln. Dieser Aufbau erlaubt es Hofstadter, neue Begriffe zweimal vorzulegen. Fast jeder Begriff wird zuerst metaphorisch in einem Dialog präsentiert, der eine Anzahl von konkreten, anschaulichen Bildern liefert; diese bilden dann bei der Lektüre des darauffolgenden Kapitels einen intuitiven Hintergrund für eine ernsthaftere und abstraktere Darstellung desselben Begriffs: "Ich habe versucht ein Endloses Geflochtenes Band aus diesen drei Strängen: Gödel, Escher, Bach zu flechten. Ursprünglich beabsichtigte ich, einen Essay zu schreiben, in dessen Zentrum Gödels Satz stehen sollte. Ich stellte mir nicht mehr als eine Broschüre vor. Aber meine Gedanken dehnten sich nach allen Seiten aus und erreichten bald Bach und Escher. Ich brauchte einige Zeit, bis ich daran dachte, diesen Zusammenhang explizit darzustellen, anstatt ihn einfach als privaten Antrieb aufzufassen. Schließlich aber merkte ich, daß Gödel und Escher und Bach nur Schatten waren, die eine zentrale feste Essenz in verschiedene Richtungen warf. Ich versuchte, diesen zentralen Kern zu rekonstruieren, und so entstand dieses Buch" [8:32]. In meiner Diplomarbeit geht es nicht um ein Anschaulichmachen von rekursiven Prozessen durch Architektur, sondern um die begriffliche |
Präzisierung von architektonischen Entwurfsprozessen durch die Auseinandersetzung mit selbstbezüglichen Systemen. Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit selbstbezüglichen Systemen kann aber nur wieder zu einer selbstbezüglichen Arbeit führen. Douglas R. Hofstadters Buch ist gerade deshalb ein Referenzprojekt, weil durch die Verwindung der drei Stränge Gödel, Escher und Bach die abstrakten, aus der mathematischen Logik stammenden Begriffe so mit den anschaulich, sinnlichen Werken aus der Malerei und der Musik gekoppelt werden, daß das Thema der verwickelten Hierarchie und der strange loops in der Form nochmals aufscheint. Was Douglas R. Hofstadter dabei nicht bewerkstelligen kann oder will, ist das eine endlose von ihm geflochtene Band in viele endliche geflochtene Bänder aufzuteilen und zu einem endlosen Netz zusammen zu knüpfen. Erst so ergäben sich mehrere Einstiegspunkte und ein wirkliches cross-reading des Textes wäre möglich.
|